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Für und Wider einer kürzeren Privatinsolvenz

Eine mögliche Begrenzung der Dauer der Privatinsolvenz auf nur noch drei Jahre ist aktuell ein großes Thema. Doch hilft eine solche Betroffenen wirklich weiter?

Durch eine EU-weitere Regelung der Privatinsolvenz könnte das Verfahren zukünftig auf nur noch drei statt in Deutschland bislang maximal sechs Jahre begrenzt werden. Die drei Jahre, die bei dem Vorschlag für die gesamte Europäische Union vorgesehen sind, handelt es sich um die Maximaldauer. Das heißt konkret, dass niemand mehr länger als diese drei Jahre seine Schulden zurückzahlen müsste, stattdessen könnte danach ein neues Leben beginnen. Selbstredend gibt es für die mögliche Umstellung viele Fürsprecher, aber auch so einige Gegenstimmen. Was also ist von dem Vorschlag zu halten und profitieren Betroffene davon wirklich?

Privatinsolvenz dauert in Deutschland zu lange

Es steht ohne Zweifel fest, dass die Privatinsolvenz in Deutschland auch nach der Umstellung vor wenigen Jahren noch viel zu lange dauert. Zwar ist es auch hierzulande theoretisch möglich, dass die Privatinsolvenz bereits nach drei Jahren endet. Allerdings handelt es sich hier nahezu um reine Theorie, denn erste Statistiken zeigen, dass dies nur knapp fünf Prozent derjenigen gelingt, die in den letzten Jahren Privatinsolvenz angemeldet haben. Wer auf ein Konto ohne Schufa und eine Schuldnerberatung setzt, hat meist zwar etwas bessere Chancen, doch auch mit Unterstützung ist ein Ende nach drei Jahren kaum möglich. Das Ende nach fünf Jahren ist zwar realistisch, doch inklusive Vor- und Nachbereitung dauert das Privatinsolvenz inklusive Schufa-Eintrag danach bis zu zehn Jahre. Deutlich zu lange, um im Leben eine echte zweite Chance zu haben.

Einfachere Privatinsolvenz könnte zu mehr Risikobereitschaft führen

Nicht vergessen sollte man allerdings auch, dass die Dauer und die Schwierigkeit der Privatinsolvenz gewissermaßen für einen Abschreckungseffekt sorgen. Wer Schulden macht, der versucht meist mit allen Mitteln eine Privatinsolvenz zu verhindern und setzt hierfür beispielsweise auf ein Konto ohne Schufa und eine Schuldnerberatung, um die Schulden wieder in den Griff zu bekommen. Möglicherweise würden Verbraucher dies zukünftig gar nicht erst versuchen, sondern stattdessen einfach direkt in die Privatinsolvenz gehen. Wenn dies zudem vergleichsweise einfach wird, machen möglicherweise auch generell mehr Menschen Schulden und nehmen Kredite auf. Die Gefahren dieser wäre zwar weiterhin groß, doch auch wenn etwas schiefgeht, könnte man die Schulden rechnet schnell wieder hinter sich lassen. Experten zweifeln allerdings daran, dass ein einfachere Privatinsolvenzrecht wirklich zu mehr Risikobereitschaft führt.

Neues Privatinsolvenzrecht kommt mit großer Wahrscheinlichkeit

Wenngleich natürlich zweifelsfrei auch die Gegenargumente ihre Berechtigung haben, wird das neue Privatinsolvenzrecht wohl mit großer Wahrscheinlichkeit kommen und dann auch für Deutschland gelten. Auch wenn für die Gläubiger, also Banken, Versandhändler und andere, mit großer Wahrscheinlichkeit am Ende weniger übrigbleibt, könnte die Wirtschaft im Gesamten profitieren. Wer in einer Privatinsolvenz steckt, kann üblicherweise nicht mehr normal am Wirtschaftsleben teilnehmen. Wer dagegen schnell und einfach eine zweite Chance erhält, der kann auch wieder ein ganz normales Leben führen. Dass eine kürzere Privatinsolvenz allen voran positive Folgen hat, sieht man auch in anderen EU-Ländern, in denen das Privatinsolvenzrecht deutlich lockerer ist als in Deutschland. Darüber hinaus tut man Menschen etwas Gutes, die oft erst durch einen Schicksalsschlag in die schwierige Situation geraten sind.


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